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F.A.F.N.E.R.-Agentin Nastya Andrejevna Stavrogina stand seit ihrer Geburt zwischen zwei Welten, der Heimat ihres Vaters (Rußland) und der Heimat ihrer Mutter (Österreich). Andrej Stavrogin war ein junger Besatzungssoldat in Wien gewesen, kaum zwanzig Jahre alt, als er ihre Mutter Anna Maria Nowak kennengelernt hatte. Die war damals noch ein Kind und hatte sich verlaufen. Weinend und verloren fand er sie auf den Stufen der Karlskirche, tröstete sie und machte sich auf die Suche nach ihren Eltern. Und obwohl er in russischer Kriegsgefangenschaft gewesen war, kannte die Dankbarkeit von Nastyas Großvater keine Grenzen. Anna Maria war sein erstes Kind.

Entgegen aller Wahrscheinlichkeit entwickelte sich zwischen der Familie Nowak und Stavrogin über die Jahre, wenn schon nicht direkt eine Freundschaft, so doch ein Einvernehmen. Die beiden Soldaten konnten sich auf eine Art und Weise achten, die sicherlich nicht viel Verständnis in ihrer Umgebung hervorrief. Mehr als einmal brachte Andrej Stavrogin eine Stange Zigaretten oder zwei, drei Packungen Kaffee vorbei, und einmal sogar einen Schinken.

Besatzungszeit in Wien

Trotz alldem konnte er meist nur hilflos zusehen, wie sich Anna und ihre Familie in den Hungerjahren gerade so über Wasser halten konnten. Und die Zeit, die er mit ihnen verbringen konnte, wurde knapper. Seine Fähigkeiten waren positiv aufgefallen; er wurde von der GRU angeworben, dem sowjetischen Militärgeheimdienst. Im Sommer 1953 hatte er mit Iwan Iwanowitsch Iljitschow zu tun, dem früheren Direktor der GRU und nunmehrigem Botschafter der UdSSR. Der setzte sich persönlich für Andrejs weitere Karriere ein und ließ ihn nach Hause zurückbeordern. Bei einem ihrer letzten Treffen brach Annas Vater (der inzwischen KPÖ-Funktionär war) in Tränen aus. Er ertrug die Entbehrungen nicht mehr, die er seiner Familie zumuten mußte. Ob er ihm nicht noch einmal helfen könnte? Er hätte die Anna doch ins Herz geschlossen. Und er würde sicher einen Weg finden, sie mitzunehmen. Bei ihm hätte sie wenigstens regelmäßig zu essen. Und für eine gute Schulbildung könnte er doch auch sorgen, nicht?

So kam Anna Maria Nowak mit sieben Jahren in ihre neue Heimat. Andrej sorgte für sie, wie er es versprochen hatte. Nach einigen Jahren schaffte er es auch, ihr hin und wieder Ferien in Wien zu ermöglichen – die Informationen, die er durch den Kontakt mit ihrer Familie beschaffen konnte, trugen sicher ihren Teil dazu bei. Er ging ganz in seiner Arbeit auf und hatte wenige private Kontakte außerhalb des Aufklärungsbüros. Es wunderte niemanden besonders, daß er in den 60ern immer noch Junggeselle war. Und keiner nahm Anstoß am Altersunterschied, als Andrej und Anna schließlich heirateten. Und wenn doch, hätte er es sich nicht anmerken lassen dürfen.

Nastya wurde also in eine Familie hineingeboren, in der soldatische Disziplin selbstverständlich war. Befehle wurden nicht hinterfragt. Gleichzeitig belohnte sie ihr Vater aber auch mit jener erstaunlichen russischen Zärtlichkeit, die ihm keiner zugetraut hätte, der es beruflich mit ihm zu tun bekam. Als Angehörige eines hochdekorierten Soldaten genossen Nastya und ihre Mutter außerdem beträchtliche Privilegien.

Nastya mit dem Thaumator im F.A.F.N.E.R.-Hauptquartier. Ausschnitt aus dem Pilotfilm.

Nastyas Lieblingslied ist An der schönen blauen Donau – dasjenige, das ihre Mutter immer gehört hatte, wenn ihr Vater manchmal tagelang nicht nach Hause kommen konnte und sie sich aus Heimweh in den Schlaf geweint hatte. Daran kann sie sich noch gut erinnern, ebenso wie an die Deutschstunden mit ihrer Mutter, und an einige Ferienerlebnisse mit ihren Cousins in Wien. Der Rest aber ist  nur noch ein schwarzes Loch. Seit jenem verhängnisvollen Einsatz 1993.

Es war immer klar gewesen, daß auch sie eine militärische Laufbahn einschlagen würde. Und zwar nicht nur aufgrund ihres Vaters, sondern auch durch ihre Willens- und Führungsstärke sowie ihre große körperliche Leistungsfähigkeit. Eine Granate, die in ihrer Nähe explodierte, machte ihrem Aufstieg jedoch ein jähes Ende. Ein Unfall, hieß es.

Sie mußte im Lazarett notoperiert werden. Zwanzig Tage lag sie im Koma; danach war sie nicht mehr dieselbe: Sie litt an schweren Gedächtnisverlusten und verlor dadurch auch mehr und mehr den Bezug zu ihrer Familie. Das war der Grund, weshalb sie sich die Geschichte ihrer Eltern immer wieder in Erinnerung rief. Sie bedeutete ihr nichts, aber sie wollte sich zumindest an den Fakten festhalten.

Geheimes Treffen von Nastya und Viktor. Production still / Pilotfilm.

In einer Zeit, in der sie zwar körperlich genesen, aber psychisch extrem instabil war, trat jener Mann an sie heran, der ihr eine neue Perspektive aufzeigte: Viktor Augenfeld. Er holte sie in den Westen und half ihr durchs F.A.F.N.E.R.-Training. Sie wurde seine Untergebene. Er ließ keinen Zweifel daran, wie wichtig die Arbeit war, die sie verrichteten. Deshalb versteht sie bis heute nicht wirklich, was seine Meinung letztlich geändert hatte. Doch auch nachdem er desertiert war (und sie mittlerweile der Einheit von Major Fellner untersteht), bringt sie ihm nach wie vor großen Respekt entgegen. Darin liegt auch der Grund, weshalb PANTHERION überhaupt von Operation FROZEN SHADOW erfuhr …