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Keine geheime Organisation kommt ohne Kontaktleute zur Außenwelt aus. Deshalb pflegt nicht nur PANTHERION seine Beziehung zu jemandem wie Tarek Al-Ubaidi – auch BASILISK steht in Verbindung mit einem Individuum, das sich, wie alle Kontaktleute, durch spezielle Charaktereigenschaften auszeichnet: Dr. Trash.

Die vorhandenen Angaben über ihn sind spärlich: Geboren wahrscheinlich irgendwann in den 50er Jahren, noch während der Besatzungszeit. Erlebte die 60er Jahre unwillig mit und verspürte schon in seiner Jugend das dringende Bedürfnis, sich vom “Summer of Love” und dessen Protagonisten (zumindest den europäischen Ablegern so wie auch der sogenannten 68er-Generation und der Gehirnwäsche der Frankfurter Schule) deutlich zu distanzieren. Entwickelte stattdessen ein ungesundes Interesse für den “Summer of Hate” und “Death Valley ’69”, aber auch für die (angebliche) Mondlandung. Als “man of independent means” beschloß er bereits Anfang der Siebziger, gar nicht erst ins bürgerliche Leben einzusteigen, sondern eine Existenz als Einzelgänger, notorischer Nachtmensch und Privatgelehrter zu führen. Schon damals begann er verlassene und vergessene Orte der österreichischen Hauptstadt zu erforschen, interessierte sich für die (sexual)magische Geschichte Wiens und begann mit dem Aufbau seines ersten Archivs – was damals naturgemäß noch bedeutete, Berge von Büchern und Papier in mehreren konspirativen Wohnungen anzuhäufen.

Dr. Trash by Jörg Vogeltanz

Anfang der 80er Jahre, als das nächtliche Wien zu erwachen begann, konnte man ihn nach einer jahrelangen Kaffeehausexistenz in frühen Szenelokalen und auch im U4 finden, wo er aber – wie immer – hauptsächlich eine beobachtende Rolle spielte. Er nahm Kontakte zu amerikanischen Vampiren und Satanisten auf, recherchierte über Serienmörder, Nekrophile und Outlaws aller Art, erlebte an der äußersten Peripherie den Krieg zwischen Chaos- und Eismagiern mit, arbeitete an subversiver Informationsverbreitung nach den Burroughschen Prinzipien des Cut-up und der Tonbandexperimente, übersetzte obskurste Texte aus dem Englischen/Amerikanischen ins Deutsche – und stieß bei seinen Untersuchungen und Gesprächen auch auf immer mehr Informationen über die Wiener Geheimorganisation BASILISK. Er lernte auch einige Mitglieder dieser Vereinigung kennen, mit denen er einen losen Kontakt herstellte, ihnen Teile seines Archivs öffnete und Informationen austauschte.

Michaelergruft? Das soll schon morbid sein? Darüber kann Dr. Trash nur lachen …

Äußerste Distanz sollte in den Jahren nach den unheilvollen Ereignissen, die sich Mitte der 80er Jahre um BASILISK herum abspielten, sein Lebensmotto werden. Er ließ die “Szene” hinter sich, beobachtete nur mehr aus der Ferne, daß die Nacht mit einem Mal kommerzialisiert wurde und den Idioten (später den Event-Organisatoren und -Besuchern, also immer noch den Idioten) gehörte; daß Okkultes und Abseitiges zur schwachsinnigen Mode wurde; daß statt ernsthafter Versuche, aus vorhandenen Realitätstunnels auszubrechen, nur mehr debile S/M-Spielchen auf der Tagesordnung standen. Während andere in den Katakomben und tiefen Kellern der Innenstadt herumirrten, auf der Suche nach angeblichen Geheimnissen, verschaffte sich der Doc Zutritt zu den gigantischen und mehrstöckigen Kellern der Außenbezirke, zum Teil ehemaligen oder vordergründig noch als solche benützten Wein- und Sektkellern, aber auch Luftschutzbunkern aus der Nazizeit, die ihre Geheimnisse bis heute noch nicht preisgegeben haben (zumindest der Öffentlichkeit nicht). Seine Archive wuchsen an, wurden mit dem Aufkommen von Personal-Computer und Internet zunehmend digitalisiert; unersetzliche Teile der Sammlungen fielen jedoch im Lauf der Jahre privaten Drogenexperimenten mit katastrophalen Folgen, kriminellen Übergriffen sowie Ereignissen zum Opfer, die nur als übernatürlich qualifiziert werden können. Dies und Trashs immer intensivere Beschäftigung mit Verschwörungstheorien und realen Verschwörungen, der Rolle der Sprache als Virus (aus dem All) und der Massenmedien als gewissenlose Werkzeuge der berüchtigten Neuen Weltordnung trieben ihn in eine jahrelang währende, durch diverse Substanzen ins Uferlose gesteigerten Paranoia. Aus dieser Phase ist kaum etwas über den Doc bekannt, er verschwand für einige Jahre komplett von der Bildfläche; einige Indizien deuten darauf hin, daß er sich im skandinavischen Untergrund aufgehalten hat …

Inzwischen unterstützt Dr. Trash Wiener Autoren und Hobbykriminalisten immer wieder mit Informationen und eigener Ermittlungstätigkeit; bei einem Kurzbesuch in Graz Anfang 2012 lernte er auch – nach vorangegangener elektronischer Kommunikation – die Führungsmitglieder der Organisation PANTHERION endlich persönlich kennen. Dabei hat er gerüchteweise einen weißen Button erhalten und sich bereit erklärt, Teile seiner Archive für Gruppen wie PANTHERION und BASILISK zugänglich zu machen. Man wird von ihm hören.

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