Das Geheimnis der Sigillen

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Rituale spielen eine wichtige Rolle bei den magischen Aspekten der Arbeit von PANTHERION. Sie können als Techniken gesehen werden, um den Bewußtseinszustand willentlich zu verändern und entsprechende Resultate zu erzielen. Im Gegensatz zu den elaborierten zeremonialmagischen Vorgängen in elitären Zirkeln haben die Mitglieder der geheimen Grazer Organisation bei ihren Einsätzen oft weder die Zeit noch die benötigten Paraphernalia, um eine gewünschte Atmosphäre zu erzeugen – meist müssen sie sich schnell an die Gegebenheiten anpassen und improvisieren. Für solche Zwecke eignet sich eine hoch effiziente Methode, deren Umsetzung im Pilotfilm zweimal deutlich zu sehen ist: die Anwendung von Sigillen!

Die Sigille, die Alexander Freytag benutzt, um ein Portal zum Raum zwischen den Sternen zu schließen

Bei Sigillen handelt es sich meistens um Darstellungen von miteinander verbundenen Buchstaben, die ursprünglich das Ziel der magischen Handlung ausgedrückt haben, durch ihre graphische Komprimierung und Vereinfachung quasi einen Prozeß “homöopathischer Verschüttelung” hinter sich haben, wodurch das ursprüngliche Ziel nunmehr vom Verstand nicht mehr erkannt und hintertrieben werden kann.

Die Idee, heilige Symbole (die ja auch Buchstaben ihrem innersten Kern nach sind) miteinander zu verbinden, um magische Beziehungen zu erschaffen und Telesmata zu erzeugen ist nicht neu: Man denke etwa an Yantras, Binderunen und Zauberzeichen oder Veves. Die Zauberer des Mittelalters und der Renaissance sigillisierten die Namen von Engeln, Dämonen und Planetengottheiten, um mit diesen zu kommunizieren und ihnen ihre Geheimnisse zu entlocken.

Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486-1535). Der Universalgelehrte entwickelte Siegel aus magischen Quadraten und Geheimschriften

Die moderne Form der Sigillen geht auf einen englischen Künstler und Magier zurück: Austin Osman Spare. Am 30. Dezember 1886 geboren, galt er in London bald als “boy genius” – seine erste Ausstellung hatte er schon mit 17 Jahren. Neben seinem künstlerischen Talent wurden aber auch seine okkulten Interessen schon in seiner Kindheit offenbar. Er gab an, von einer Hexe namens Mrs. Paterson ausgebildet worden zu sein. Sie soll seine Faszination für die Kartomantie geweckt haben, Analphabetin gewesen und mit 101 Jahren gestorben sein; viel mehr erzählte er nie über seine Mentorin.

Die Bilder seiner zweiten Ausstellung von 1907 sowie seine bis dahin erschienenen ersten beiden Bücher erregten das Interesse eines berühmten Zeitgenossen Spares: Aleister Crowley. Er nahm den jungen Künstler als Anwärter in seinen frisch gegründeten Orden A.·.A.·. auf; Spare trat aber bald wieder aus – mit der Begründung, daß er dort nichts lernen könne und die Rituale aufgesetzt und leer seien. Es wird niemanden verwundern, daß das Verhältnis der beiden Magier danach, nunja, ziemlich distanziert war … obwohl Crowley seine Meinung änderte, nachdem er Spares 1913 erschienenes, wichtigstes Buch gelesen hatte: Dieses vielschichtige Werk, The Book of Pleasure (Self-Love), zählt neben Crowleys eigenem Liber AL und Gerald Gardners The Book of Shadows zu den mit Sicherheit einflußreichsten Büchern über Magie im 20. Jahrhundert.

Austin Osman Spare, 1886-1956

Darin stellt AOS sein System des Zos Kiâ vor und ruft zu einem vollständigen Verzicht auf Hierarchien und Dogmen auf: Seiner Ansicht nach bedarf es allein der Kraft des Magiers, die er in sich selbst findet, um seinen Willen zu kanalisieren. Daher ist er auch jederzeit verfüg- und spontan realisierbar. Die “Umkehrung des linearen Denkens in eine Sprache der reinen Form … erlaubt es dem Zauberer, in Symbolen zu denken” (vgl. Gavin W. Semple, Austin Osman Spare: Kunst und Magie, Edition Roter Drache, Rudolstadt 2010, S. 48). Darin liegt der Ursprung seiner Sigillen, und für die Arbeit mit ihnen ist er heute auch am ehesten bekannt (vgl. etwa jene, die Alexander hilft, das Orakel von Graz zu beschwören) – er hat natürlich aber noch mehr zu bieten, zum Beispiel seine Überlegungen zum Umgang mit Atavismen (darauf bezieht sich Melchior v.·. Wahnstein einmal in OMEN Nr. 2).

Darüber hinaus, und das interessiert mich an AOS besonders, ist er als einer der wenigen im Westen explizit nondual. Er gab selbst Lao Tse und Plato als wichtige Einflüsse an, und in seinen Schriften finden sich laufend Stellen, deren Nähe zu Konzepten der Philosophie des Advaita, zum Zen und zum tantrischen Vajrayāna-Buddhismus offensichtlich ist. Mit dieser transzendentalen Richtung seiner Arbeit erweist sich AOS letztlich auch als moderner Mystiker. 1927 zog er sich übrigens fast vollständig aus der Öffentlichkeit zurück und führte ein äußerst genügsames Leben in London. “Er lebte allein, mit Ausnahme seiner vielen Katzen, und wurde manchmal in Kneipen gesehen, wo er gegen ein oder zwei Gläser Bier Porträts für die Gäste zeichnete, oder eher gesagt, von seiner Hand automatisch zeichnen ließ, während er sein Bier genoss.” (Quelle)

Stele von Austin Osman Spare

Spare war Zeichner, daher kennt man Sigillen bis heute vor allem in graphischer Form. Sie sind aber natürlich nicht darauf beschränkt: Es gibt beispielsweise auch mantrische Sigillen oder weiterführende moderne Experimente damit. Als bekanntestes Beispiel wäre hier sicherlich die Idee einer Hypersigil zu nennen, wie sie Grant Morrison postuliert. Sein gesamtes opus magnum, The Invisibles, stellt demnach eine komplexe Sigille in erzählerischer Form dar. Und diese Comicreihe war ja eine wichtige Inspirationsquelle für das PANTHERION-Universum. Insofern kann auch dieses als fiktionale wie lebendige Meta-Sigille verstanden werden, die uns und die Realität um uns herum maßgeblich beeinflußt.

PANTHERION: wärmstens empfohlen!

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Wenn einem jemand, der sich in seinem Metier auskennt, einen entsprechenden Hinweis gibt, dann ist’s angebracht, dem zumindest einmal nachzugehen. Und wenn dieser Jemand noch dazu Dr. Trash heißt und seine Kolumne in der aktuellen Ausgabe von Buchkultur Melchior v.·. Wahnsteins OMEN-Reihe widmet, dann freut uns das um so mehr! Without further ado hier also die Empfehlung des Docs:

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Auch die beliebte Stadtzeitung G7 hat gestern (auf S. 45) wieder einen kleinen Beitrag über PANTHERION gebracht – genauer gesagt über das erste Hörspiel, mit dem in dramatisierter Form ein weiterer Schritt getan wurde, die Aktivitäten der Grazer Organisation offenzulegen.

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Trau deinen Ohren nicht

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Im Artikel über Dr. Nachstrom habe ich vom IntersectionScan berichtet, jenem Gerät, mit dem er in der Lage ist, Vorfälle in Graz akustisch aufzuzeichnen, die unaufmerksameren Zeitgenossen entgehen. Seinem Wesen entsprechend konzentriert er sich dabei auf das Dunkle, Rätselhafte und Geheime.

Erstmals stellte er der edition preQuel nun eine Reihe zusammengestellter Mitschnitte zur Verfügung, die er unter dem Namen “Zwischenraum” archiviert hat. > grotesque präsentiert heute also einen wichtigen Fall von PANTHERION – der sich im Übrigen nicht lange vor jenen Ereignissen abspielte, die im Pilotfilm dargestellt sind:

Und wie auch bei unseren Groschenheften lehnt sich das Titelbild des Hörspiels an ein Meisterwerk aus der Kunstgeschichte an. Diesmal stand, wie unschwer zu erkennen, Munchs Der Schrei Pate.

Anderswelten: Die Paradies-Dimension

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Wer sich mit parallelen Dimensionen beschäftigt, kommt eines Tages zur logischen Überlegung, daß es irgendwo eine Welt geben muß, in der alle Wünsche erfüllt werden können, und die – wie alle anderen auch – zum Greifen nahe ist.

Sie ist eine Legende … und lockt mit unvorstellbaren Visionen: Sie beinhaltet auf jeden Fall das Versprechen auf ewiges Leben für die Vampire, bietet einen entsetzlichen Spielplatz für die Wesen aus dem Raum zwischen den Sternen, gibt den Clowns was auch immer es ist, das sie wollen, und hält ein unbegrenztes Experimentierfeld für das Kuratorium bereit… und auch alle Probleme der Menschen könnten dort gelöst werden. Wie man dorthin gelangt, darüber streiten sich Philosophen, Grenzwissenschaftler, Metaphysiker und Magier aller Welten.

Meet the Characters: Viola Wachter

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+++ Status, hauptsächliche Einsatzgebiete und besondere Fähigkeiten +++

  • PANTHERION-Neuling
  • Kontakte zur Taverne zum Güldenen Bären und zur Kunst-Uni
  • Luzides Träumen, besondere Detailwahrnehmung und Kombinationsgabe

+++ Auszug aus der persönlichen Akte: Werdegang +++

Viola stieß im Sommer 2010 zu PANTHERION. Auf den ersten Blick wirkt sie wie eine ganz normale, süße junge Studentin – aber das täuscht natürlich. Sie hat nur bruchstückhafte Erinnerungen an ihre Kindheit. Manchmal träumt sie, sie wäre gestorben und jemand hätte sie wieder zum Leben erweckt. Jedenfalls erzählte man ihr, daß ihre Eltern bei einem Unfall umgekommen waren; von da an lebte sie bei ihrer Großmutter in den Alpen, und dann, nach einem Umzug, in einer abgeschiedenen Gegend im Burgenland.

Als sie zur Schule ging, wohnte sie in Schülerheimen. Diese Zeit wirkte sich enorm auf ihre Persönlichkeit aus: Zum einen lernte sie schnell, selbständig zu denken und zu handeln, zum anderen, sich einige intelligente Schutzmauern zuzulegen. Das zieht sich bis heute durch – sie setzt sich das Gesicht der fröhlichen, witzigen, sarkastischen, starken, intelligenten, geselligen Studentin auf, um das zutiefst romantische, zweifelnde, begabte, sensible, zerbrechliche Mädchen vor anderen zu verstecken. Nur jene, die hinter ihre Fassade blicken können, entdecken diese Facette an ihr.

Ihre Wandlungsfähigkeit beherrscht oft ihren Alltag. Sie verkleidet sich gern und ist der selbstverständliche Partymittelpunkt. Gleichzeitig sehnt sie sich sehr nach unkomplizierten Momenten. Diese sind aber schwer zu finden für jemanden, der nie still steht (geistig zumindest) und diesen immensen Drang hat, sich zu beweisen … nicht zuletzt in ihrem Studium an der Kunstuniversität: Bühnengestaltung, um genau zu sein. Theater, Film und Kunst im Allgemeinen interessieren sie ungemein. Aber nicht nur ihre Persönlichkeit ist zu einem großen Teil von ihrer Kreativität und Fantasie geprägt, sondern auch ihre Wahrnehmung. Ihr fallen Dinge auf, die für gewöhnliche Menschen nicht existent erscheinen. Außerdem kann sie intuitiv sinnvolle Zusammenhänge zwischen Situationen herstellen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben.

Aufgrund dieses Talents erscheinen ihr einfach gestrickte Menschen bald langweilig: Sie studiert gerne die interessanten Zeitgenossen, auch wenn sie ihr unsympathisch oder unheimlich sind. Am liebsten ist sie unter Menschen, die eventuell ebenfalls Fähigkeiten haben, deretwegen sie von der Gesellschaft als Freaks abgestempelt werden.

Viola muß sich schnell in einer neuen Welt zurechtfinden, um zu überleben. Production still / Pilotfilm

Man kann sich denken, daß sie daher wenig wirklich gute Freunde hat (ihre beste Freundin Bea, die sie seit ihrer Schulzeit kennt und die mittlerweile Gesang studiert, ist da eine Ausnahme). Deswegen ist sie oft sehr einsam und verschließt sich … was auch den Vorteil hat, ihre Wahrnehmung zu hemmen und sie für die Außenwelt ganz anders erscheinen zu lassen: unglaublich fröhlich, naiv, vorlaut, unbeschwert. Diese Ambivalenz in ihrem Wesen hilft ihr in ihrer Arbeit für PANTHERION, Alter Egos zu kreieren; einerseits erleichtert ihr das, ihre Tarnung als Studentin aufrecht zu erhalten, andererseits fällt es ihr mit der Zeit aber auch immer schwerer, all ihre Emotionen und Eigenschaften in Schach zu halten. Sie ist, mit einem Wort, kontrovers – und würde von sich selbst auch nicht behaupten, sich wirklich zu kennen. Und obwohl sie gerade in letzter Zeit schwer enttäuscht wurde, will sie nur eines: geliebt werden.

Als sich ihr langjähriger Freund von ihr trennte, stürzte eine Welt für sie zusammen und sie beschloß, ihr Leben zu ändern: Sie nahm einen Nebenjob als Kellnerin im Güldenen Bären an, und zog außerdem ein Vorhaben durch, das ihr schon lange vorgeschwebt war – sie ließ sich vom bekannten Grazer Tätowierer NEO ein großes Tattoo nach eigener Vorlage stechen. Und weil es natürlich etwas Besonderes sein mußte, willigte sie ein, mit einer speziellen Farbe zu experimentieren, die NEO von einem Schamanen in Peru bekommen hatte. Sie wäre aus geheimen Kräutern hergestellt und solle extrem lebensverlängernd wirken, hieß es. Damit setzte sie eine Kette von Ereignissen in Gang, die im PANTHERION-Pilotfilm gezeigt werden …

+++ Auszug aus dem psychologischen Profil: besondere Merkmale / Verhaltensauffälligkeiten +++

Zu Violas herausragendsten Fähigkeiten zählt ihre scharfsinnige Aufmerksamkeit, die sie mit einer gehörigen Portion Fantasie, Humor, Frechheit und Anpassungsfähigkeit verknüpft. Dadurch ist sie imstande, rasch neue Sichtweisen zu integrieren und Aufgaben zu erledigen, die Multitasking erfordern – sofern ihre Ungeduld und innere Zerrissenheit ihr dabei nicht einen Strich durch die Rechnung machen. Demnach wird vor Sprunghaftigkeit und Unüberlegtheit gewarnt; in Kombination mit ihrer tief verwurzelten Melancholie und immer wieder auftretender Selbstunterschätzung kann das ihre Neigung zum Extremen und zum Exzeß verstärken. Viola ist extravertiert und sehr kommunikativ und es fällt ihr leicht, Menschen zu manipulieren. Sie reitet gerne und ist ein großer Fan des Duos COCAITTE.

Die soziokulturelle Komponente

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Vor einiger Zeit erschien im Feuilleton der jungen Welt eine lobende erste Einschätzung über die Welt von PANTHERION und die Groschenhefte von Melchior v.·. Wahnstein; nachzulesen ist das hier: Klick!

> grotesque bedankt sich für die aufmerksame Beobachtung! Ich find’s gut, daß neben den ‘coolen’ popkulturellen und literarischen Anspielungen auch unsere Intention erkannt und gewürdigt wird, Graz als Handlungsträger zu etablieren, mit dem sich gerade auch junge Menschen positiv identifizieren können.

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Der Herzlfresser

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Nicht nur Vampire treiben in der Steiermark seit jeher ihr Unwesen. Es gab da zum Beispiel einen, den man heute vermutlich als Serienmörder mit okkultistischem Hintergrund bezeichnen würde: Paul Reininger, den “Kannibalen von Kindberg“. Er war von der Idee besessen, durch den Verzehr von sieben (nach anderen Angaben auch nur drei) Mädchenherzen “glücklich im Spielen und Kegelscheiben zu seyn” und sich unsichtbar machen zu können! Der Hergang der Ereignisse ist recht gut dokumentiert:

Paul hatte mit drei Jahren seinen Vater verloren und wurde von seiner Mutter weggegeben; er wuchs bei Dienstboten auf und verdiente seinen Lebensunterhalt als Knecht. Am 15. Jänner 1786 hatte er wieder einmal sein ganzes Geld verspielt und sich betrunken; auf dem Nachhauseweg war er am Wegrand eingeschlafen. Dort fand ihn eine Dienstmagd namens Magdalena Angerer. Sie war zuvor in der Kirche und danach mit ihrem Bräutigam in einem Wirtshaus gewesen und wollte Paul ein Stück begleiten, damit er nicht in der Kälte schlafen mußte.

Ihm fiel die runde Schachtel auf, die sie bei sich trug und in dem er ihren Brautkranz vermutete. Außerdem würde eine Braut wohl Geld bei sich haben. Also zerrte er sie in den Wald, stach ihr sein Messer in den Hals und schnitt ihr den Kopf vom Körper. Danach zog er ihr die Kleider aus, schnitt ihr den Leib vom Bauch bis zum Hals auf und nahm die Eingeweide und das noch zuckende Herz heraus. Zum Schluß trennte er ihren rechten Arm bei der Schulter und ihren linken Fuß beim Knie ab und verteilte die Stücke im Wald.

Darstellung des Mordes auf einem Marterl beim Herzlfresserweg bei Kindberg

Am 2. Februar wurde ein Bauer durch das Gekrächze von Raben auf den Ort des Geschehens aufmerksam und fand dort Magdalenas verstümmelten Leichnam, ihren Kopf sowie die anderen Leichenteile und ihre Eingeweide (jedoch ohne ihr Herz). Fünf Wochen später wurde Paul angezeigt – man hatte ihn an jener Stelle gesehen. Das Gericht ließ seine Habseligkeiten untersuchen; in seiner Truhe fand man die blutigen Kleider der Ermordeten, ihren Kranz und die Hälfte eines menschlichen Herzens.

Im Juli 1786 wurde Paul (der zu diesem Zeitpunkt 32 Jahre alt war) im Schloß Wieden bei Kapfenberg einem peinlichen Verhör unterzogen. Er legte nicht nur ein umfassendes Geständnis ab, sondern schilderte kaltblütig noch weitere fünf Morde, die er begangen hatte:

  • Bereits am Fronleichnamstag 1779 erstach er in einem Wald eine Dienstmagd, die ihm Vorwürfe wegen seiner Trunksucht gemacht hatte, die er aber noch zu einem Liebesspiel überreden hatte können. Er bedeckte ihre Leiche mit Gesträuch und ging unbekümmert nach Hause. Vor Gericht gab er an, es sei ihm “nachher” eingefallen, daß das Mädchen durch ihn Mutter werden könnte und er befürchtet hätte, das Kind erhalten zu müssen.
  • Zwei Jahre später, 1781, verübte er seinen zweiten Mord. Er erwürgte eine Näherin für deren Ersparnisse: einen Gulden.
  • Wieder zu Fronleichnam diesen oder des folgenden Jahres erstach er Elisabeth Leitner, ein achtjähriges Mädchen, dem er davor noch einen Ziegenbock abgeluchst hatte, weidete sie aus und verspeiste ihr Herz zur Hälfte (die andere sollte man Jahre später in seiner Truhe finden).
  • Am 6. November 1783 ermordete er eine geistesschwache 50jährige Bauernmagd auf dem Weg zur Kirche für ihre 45 Kreuzer, die sie mit sich führte.
  • Fünf Tage später erstach er die 17jährige Barbara Lammer, nachdem sie seinem Liebeswerben nach längerem Zögern nachgegeben hatte.

Der Prozeß um den Serienmörder sorgte augenblicklich für großes Aufsehen

Ein ‘übernatürlicher Antrieb, an noch warmen Körpern herumzumetzgern’ und die Überzeugung, durch den Genuß eines frischen Herzens Glück im Spiel zu haben, wenn er es am Tag des Spiels nüchtern verzehrte, hätten ihn zu den Taten verleitet. Doch er gab an, insgesamt nur zwei Herzen herausgeschnitten zu haben; dasjenige von Magdalena Angerer habe er noch dazu verworfen, weil es noch ganz blutig gewesen sei und ihm davor geekelt habe. Auch die allerschwersten Züchtigungen konnten ihn nicht von der Unmöglichkeit überzeugen, sich unsichtbar machen zu können.

Das Landgericht zu Wieden fällte am 24. April 1786 ein Urteil über ihn, das zu den schwersten gehört, die in jener Zeit gesprochen wurden: “Paul Reininger soll wegen an sechs Personen auf die grausamste Art verübten Straßen- und Meuchelmorden an die gewöhnliche Richtstätte geführt, am ersten Viertelweg ihm ein Zwick mit glühender Zange in die rechte Brust, am halben Weg ihm ein Riemen aus der linken Seite am Rücken geschnitten, am dritten Viertel, wiederum ein Zwick in die linke Brust, an der Richtstätte selbst abermals ein Riemen aus der rechten Seite geschnitten, hernach ihm all dort seine Glieder durch den ganzen Leib von unten auf mit dem Rade abgestoßen und also soll er dem Leben zum Tode gerichtet, folgens der Tote in das Rad geflochten und ein Galgen mit herabhängendem Strang aufgerichtet werden.” (zitiert nach Franz Josef Böhm, Der Herzensfresser von Kindberg)

Inschrift auf dem 2010 restaurierten Marterl

Kaiser Joseph II. änderte das Urteil im Zuge der Abschaffung der Todesstrafe und “zur besseren Erspiegelung anderer” dahingehend, daß Paul drei Tage hintereinander je hundert Stockstreiche erhalten solle. Dann sei er nach Graz auf den Schloßberg zu überführen und dort in ein ewiges Gefängnis anzuschmieden und nur mit Wasser und Brot abzuspeisen. Außerdem solle er alle Vierteljahre 50 Stockstreiche erhalten. Am 4., 5. und 6. Juli 1786 wurde die Züchtigungsstrafe in Kapfenberg vollzogen: der Scharfrichter selbst prügelte ihn. Gleich am ersten Tag mußte Paul auf einer Trage ins Gerichtshaus zurückgetragen werden. Ebenso wurde er am zweiten und am dritten Tag zum Hochgericht hinaus und von dort wieder zurück geschleppt. Am ersten Tag wurden an ihm 14 Stöcke abgeschlagen und am zweiten sechs. Am dritten Tag wurde nach je zehn Streichen ein neuer Stock genommen. Es heißt, daß er am ersten Tag bis zum 40. Streich schrie und dreimal gelabt werden mußte. Am zweiten Tag schrie er nicht so heftig, aber am dritten Tag schrie er bis zum neunzigsten Streich “ganz erbärmlich”, worauf er ohnmächtig wurde und wieder gelabt werden mußte.

Der “Herzlfresser” überlebte die Tortur. Am 12. August traf er in Graz ein, und die ganze Stadt war auf den Beinen, um den Unmenschen zu sehen. Er wurde in die Kasematten des Schloßbergs geworfen, in denen er bis zu seinem Tod am 11. November 1786 schmachtete. Vom Wahn, sich unsichtbar machen zu können, blieb er bis zuletzt besessen.

Beilage zum "Grazer Tagblatt" von 1911: Der Herzlfresser ist in die Sagenwelt eingegangen

Lesestoff: „Interdimensional Universe“

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Ich habe ja schon in diesem Artikel zwei Bücher erwähnt, die in die Bibliothek jedes PANTHERION-Fans gehören: The Mothman Prophecies von John Keel und Hunt for the Skinwalker von Colm Kelleher und George Knapp. Heute möchte ich Euch auf eine Lektüre aufmerksam machen, die ebenso wie diese beiden dazu geeignet ist, den Horizont zu erweitern:

Interdimensional Universe: The New Science of UFOs, Paranormal Phenomena and Otherdimensional Beings. Klick für Amazon-Link!

Philip Imbrogno ist ein Wissenschaftler, der u. a. mit Dr. J. Allen Hynek und Bud Hopkins zusammengearbeitet hat. Wer seit über 30 Jahren Untersuchungen an den Grenzen der Realität durchführt, betont er, für den wird das Paranormale irgendwann ebenso selbstverständlich wie andere Aspekte des Lebens. So kommt er in Interdimensional Universe auch zum Schluß (S. 197):

“It must be understood that we share our planet with a great multitude of unseen beings.”

Darüber hinaus teilt er in einem persönlichen Artikel auf der Homepage seines Verlags eine beunruhigende Beobachtung mit uns, die mit jenen von PANTHERION hundertprozentig übereinstimmt: “Reports of the paranormal are not restricted to any specific country. People from every culture across the globe experience things that are not a part of our reality. According to both my research and the work of many others, encounters with the unknown seem to be increasing in frequency.” – Etwas scheint da zur Zeit ganz gewaltig an unserem kollektiven Verständnis der Wirklichkeit zu rütteln …

Anderswelten: Die tote Dimension

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Im Sommer 2007 experimentierten Viktor und Mark mit dem Tesla Patent # 0523, einem Gerät zur Modifikation des Gedächtnisses, um herauszufinden, was wirklich hinter Marks Deckerinnerungen an seine UFO-Entführung steckt – allerdings erfolglos. Es führte aber dazu, daß Viktor einen Einfall überprüfen wollte und eine bis dahin unbekannte Frequenz auf dem “Reality Radio” anwählte … worauf er sich in einer trostlosen Parallelwelt widerfand, in der ein verheerender Krieg stattgefunden hatte:

Im gleißenden Licht erkannte er in der Ferne nur ein paar Ruinen, die sich aus einer endlosen Wüste erhoben. Jegliches Leben hatte dort aufgehört zu existieren … mit Ausnahme eines körperlosen Kollektivbewußtseins, das sich KREBS nennt. Es hungert nach Leben – und ergriff in genau dem Moment von Viktor Besitz, als er seinen ersten Atemzug in dieser Welt tat. Viele Stimmen bohrten sich qualvoll in seinen Geist und fügten ihm nur um so mehr Schmerzen zu, je mehr er versuchte, sich gegen sie zu wehren. Es dauerte nicht lange, bis KREBS ihm die Informationen über seine Herkunft entrungen hatte – unserer Welt. Eine Welt voller Leben!

Viktors Psyche unterliegt der Macht von KREBS. Production still / Pilotfilm

Noch während der Kampf um sein Bewußtsein tobte, erkannte Viktor, was KREBS beabsichtigte. Es wollte ihn vollständig kontrollieren, um in unsere Dimension einzudringen und hier alles Lebendige zu vertilgen. Mit letzter Kraft richtete er seine Waffe gegen sich, um KREBS nicht als trojanisches Pferd dienen zu müssen. Aber er hatte keine Chance gegen seinen unsichtbaren Gegner; er war nicht mal mehr in der Lage, sich zu töten. Hilflos mußte er zusehen, wie sein Körper gezwungen wurde, aufzustehen und zur Fernbedienung des Radios zurückzuwanken, die er zuvor verloren hatte. Die Macht, die ihn kontrollierte, betätigte durch ihn das Gerät und shiftete mit ihm zurück ins Hauptquartier.

Hier stellte sich jedoch glücklicherweise heraus, daß sich KREBS nicht ausbreiten konnte: Viktors herausragende Widerstandskräfte hinderten es daran. Seit seinem mysteriösen traumatischen Kindheitserlebnis war er nie mehr krank gewesen. Es steckt also nach wie vor ein Keim des unheilvollen Kollektivbewußtseins in ihm, die Kontamination schreitet aber nur sehr langsam voran. Sie resultiert in zunehmenden krampfartigen Anfällen, über die er keine Kontrolle hat (wodurch sich auch seine Neigung zur Hypochondrie erklärt), und Viktor befürchtet, daß es eines Tages auffallen wird.

Viktor liest "Das Böse kommt auf leisen Sohlen". Production still / Pilotfilm

Dann werden nämlich Fragen gestellt werden – und ihm ist klar, daß niemand auch nur von der Existenz der toten Dimension erfahren darf! Durch ihn kann KREBS nicht in unsere Welt übertreten (zumindest noch nicht), doch jeder andere Mensch würde ihm einen Weg hierher bahnen. Seither unternimmt er regelmäßig, ausgerüstet mit Gasmaske und speziellen Waffen, Vorstöße in diese Welt, um einen Weg zu finden, KREBS zu töten oder wenigstens das Eindringen der toten Dimension in unsere zu verhindern … wohlwissend, daß er seine schleichende Vergiftung damit nur beschleunigt.

Er selbst nennt diese ominösen Aufträge “Picknicke am Wegesrand”. Seine Kollegen haben akzeptiert, daß er kein Wort darüber verliert – egal, wie derangiert er von ihnen auch zurück kommt. Bisher hat er keine Möglichkeit gefunden, dieser entsetzlichen Macht beizukommen. Er hofft, daß sich eines Tages ein Ausweg ergibt … bevor es für uns alle zu spät ist.

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